Unsere Ausgangslage war durchaus sehenswert. Wir grüssten von der Tabellenspitze, ein Punkt vor Pieterlen und jeweils vier Punkte vor Bachs und Altnau-Kreuzlingen. Das erste Spiel des Tages war gleichermassen auch das wegweisendste des Tages. Sollten wir Altnau-Kreuzlingen bezwingen, hätten wir die Silbermedaille bereits sicher in der Tasche. Ein nicht unwichtiger Fakt hierbei war, dass genau dieses Team das einzige war, das uns in der bisherigen Saison besiegen konnte.

Die Wetterbedingungen waren den ganzen Tag hindurch äusserst schwierig. Es regnete fast permanent (mal mehr, mal weniger) und die Temperaturen waren schon ziemlich herbstlich. Wir waren jedoch alle froh, dass sich das OK von Pieterlen entschied die Schlussrunde trotz allen Widrigkeiten durchzuführen.

 

Altnau-Kreuzlingen – Madiswil 8:12 (5:7)

Von Beginn an war die Begegnung hinsichtlich der Körbe sehr ausgeglichen. Altnau-Kreuzlingen agierte aus unserer Sicht sehr verhalten und verhältnismässig wenig angriffslustig. Ihre Angriffe dauerten ungewohnt lange und auch ihre Abschlüsse entsprachen nicht dem üblichen Bild, welches wir von der korbgefährlichen Bodenseetruppe hatten. Und trotzdem wechselten wir uns, bezüglich der Führung, fleissig ab. Bis zur Halbzeit gab es insgesamt fünf Führungswechsel. Mit dem Halbzeitstand von 5:7 zu unseren Gunsten konnten wir entsprechend zufrieden sein.

Nach der dreiminütigen Pause konnten wir noch zulegen und reüssierten mehrere Male während unser Gegner mit Abschlusspech zu kämpfen hatte. 5:10, also fünf Körbe Vorsprung, war ein ausserordentlich gutes Polster gegen einen Gegner eines solchen Formates. Zu unserem Leidwesen kassierten wir einige Zweiminutenstrafen, die wir aber mehr als nur gut überstehen konnten. Trotz mehrmaliger Unterzahl konnte dies unser Gegner nicht zu seinen Gunsten nutzen. Eher im Gegenteil: Während dem, dass sich Altnau-Kreuzlingen äusserst schwer tat, konnten wir unsere Chancen offensiv nutzen und defensiv weiterhin stabil bleiben.

Obwohl sich unser Gegner nicht aufgab und wieder besser in Spiel zurückfand, gaben wir diese Führung nicht mehr her und gewannen das Spiel mit 8:12. Die Silbermedaille ist im Trockenen.
Wie in den letzten Spielen zuvor waren wir in der Lage defensiv abgeklärt und wie eine Einheit zu funktionieren und offensiv vielfältig und kreativ zu agieren. Wiederum konnten sich sieben Spieler mindestens einen Korb gutschreiben lassen. Einerseits spürte man die Erleichterung und den Stolz in unseren Reihen, aber andererseits war nun allen klar, welche Stunde geschlagen hatte. Aus den letzten zwei Spielen mussten wir drei Punkte holen.

Die Goldmedaille und der Titelgewinn waren bis zu diesem Zeitpunkt kein Thema. Das änderte sich jetzt.

 

Madiswil – Nunningen 12:2 (6:1)

Nunningen hatte im ersten Spiel des Tages gegen ihre Kantonsrivalen aus Grindel sang- und klanglos 11:2 verloren – eine Seltenheit, dass eine Mannschaft gerade mal zwei Körbe während 40 Minuten erzielt. Das hatte uns aber im Endeffekt nicht gross zu interessieren. Nunningen war schon vor einigen Jahren (2011) Spielverderber eines potentiellen Schweizermeisters und verwehrte dem damaligen Anwärter den Titelgewinn.

Die Solothurner legten mit dem ersten Treffer der Partie vor und führten mit 0:1. Danach kam im Angriff zu ihrem Leidwesen nicht mehr viel Gutes zu Stande. Der Trefferverlauf spricht da mehr Worte als ich es vermag: 1:1, 2:1, 3:1, 4:1, 5:1, 6:1, Halbzeit. Was genau „los“ war, blieb uns ein Rätsel. Die Torflaute unseres Gegners nahmen wir zur Kenntnis und wir konzentrierten uns weiterhin auf unser Spiel. Die zweite Halbzeit verlief absolut identisch wie die erste, denn Nunningen gelang der erste erfolgreiche Abschluss der zweiten Halbzeit und es hiess 6:2. Wie gesagt: Die zweite Halbzeit verlief identisch: 7:2, 8:2, 9:2, 10:2, 11:2, 12:2, Schlusspfiff. In beiden Halbzeiten legten die Schwarzbuben mit einem Treffer vor, welchen wir dann mit sechs Körben (ohne zwischenzeitlichen Gegentreffer) kontern konnten.

Erfreuliche Statistik: Wiederum konnten wir sieben verschiedene Torschützen aufweisen. Und, wir waren nur noch einen Punkt vom Titelgewinn entfernt.

Unser direkter Kontrahent Pieterlen spielte unterdessen und wie erwartet seine Gegener an die Wand (15:8 und 10:4). Das letzte Spiel des Tages und der Rückrunde musste entscheiden, wer zuoberst auf dem Treppchen stehen sollte. Pieterlen hatte als letzten Gegner Nunningen und wir Menznau.

 

Madiswil – Menznau 11:8 (8:4)

Menznau ist wohl das grösste Überraschungsteam der diesjährigen NLA-Saison. Der Aufsteiger hat so manchem Team ein Bein gestellt und sich stets teuer verkauft. Der zwischenzeitliche fünfte Platz war mehr als verdient. Und auch wir kamen schon in den unerfreulichen Genuss des Aufsteigers – in der Vorrunde holten wir mit viel Glück ein Unentschieden gegen die noch junge Truppe aus dem Kanton Luzern. Ein gerade solches Unentschieden würden wir nun aber mindestens brauchen um den Titel nach 2014 wieder nach Madiswil zu holen…

Mit viel Selbstvertrauen starteten in die Partie. Dieses Selbstvertrauen konnten wir dann wie schon mehrmals am heutigen Tage in sehr sehenswerte Offensivaktionen ummünzen. Unser Vorsprung wuchs im Verlauf der ersten Halbzeit auf  vier Körbe. Beim Halbzeitpfiff stand es 8:4 zu unseren Gunsten. Jetzt galt es die Nerven zu behalten und weiter unsere Stärken auszuspielen und den Gegner nicht zurück ins Spiel finden zu lassen. Die Luzerner spielten nach Wiederanpfiff souveräner als wir und konnten drei Mal erfolgreich den Ball im Korb versenken – während wir mit Abschlusspech zu kämpfen hatten. Beim Stand von 8:7 schien die Partie wieder offen zu werden. Nach einer längeren Durststrecke reüssierten wir aber wieder endlich im Angriff, was uns den nötigen Aufschwung zurückgab. Beim Stand von 10:7 und ein paar wenigen Minuten auf der Uhr war die Sache schon fast klar. Mit dem letzten Schlusspfiff der NLA Saison 2017 stand es 11:8 und das bedeutete für uns...

 

S-C-H-W-E-I-Z-E-R-M-E-I-S-T-E-R

Es war vollbracht! GOLD! Die beste Mannschaft der Schweiz! Korbball Nationalliga A Meister 2017! Nach einer perfekten Rückrunde, d.h. 9 Siege aus 9 Spielen, holten wir den Schweizermeistertitel zurück nach Madiswil! Das ganze fühlte sich (und das tut es immer noch) sehr surreal an. Unfassbar!

Die Rollenverteilung innerhalb der Mannschaft wurde zu Saisonbeginn neu verteilt und definiert. Nach den namhaften Abgängen der letzten Saison gab es einige Fussstapfen, die es zu füllen galt. Und es darf an dieser Stelle stolz gesagt werden, dass wir diese Herausforderung bravurös gemeistert haben. Die Trainingspräsenz und –mentalität hat zweifelsohne dazu beigetragen, dass wir eine funktionierende Harmonie auf dem Feld zeigen konnten. Unsere teaminterne positive Haltung, selbst in nervenaufreibenden Situationen, hat sich im Endeffekt als wohl unsere grösste Stärke entpuppt. Zu jedem Zeitpunkt blieben wir lösungsorientiert und spornten uns gegenseitig an. Das Vertrauen, das wir ineinander gewonnen haben, war und ist ein starker Verbündeter. Die positive und aufbauende Energie, die wir im Team inne hatten, manifestierte sich in unserem Kampfeswillen. Eine beeindruckende Leistung!

Unseren individuellen Stärken waren wir uns bewusst – aus diesen Einzelteilen eine funktionierende Einheit zu formen, war eine andere Geschichte. Dieser Aufgabe nahm sich unser Coach an. Zweifellos hat sein geübter, wenn nicht sogar genialer Verstand massgeblich zum Meistertitel beigetragen. Seine taktischen Inputs gaben jedem Spieler die Plattform seine mitgebrachten Fähigkeiten weiterzuentwickeln und optimal in die Mannschaft einzubringen.

Ein grosser Dank geht auch an unsere treuen Fans, die uns durch manch schwierige Situationen getragen haben. Genau diese motivierenden Zusprüche und aufbauenden Worte mobilisierten in uns Kraftreserven, die wir sonst wohl nicht hätten abrufen können. Es ist nicht selbstverständlich, dass oft längere Fahrten auf sich genommen wurden um uns anzufeuern und zu unterstützen. DANKE!

Nun dürfen wir uns für ein Jahr wieder „Schweizermeister“ nennen.

Danke an alle, die einen Teil dazu beigetragen haben!