„Ei Stund und no e Stund oder wed geisch wie ne Hund, de mach sches irä halbe Stund“.

Nebel. Reisewetter unser. Unter deinem weissen Schleier entwickeln wir unsere besten Wanderkräfte. Dein Weg führe uns zur Berghütte. Möglichst gut und schnell. Der Schnaps in der Kapelle war eine kleine Versuchung. Die Reise insgesamt wieder ein Erlebnis.

1.   Tag: Nebel, Wasserkanäle und 2 Flaschen Schnaps in der Bergkapelle

Weil im letzten Jahr keine Turnerreise stattfand, organisierte Marc Sommer in diesem Jahr gleich eine 3-tägige Reise. 17 Turnerkollegen folgten seinem Ruf. Und sie sollten nicht enttäuscht werden.

Der nasse Juli fand am Samstag, am Abreisetag, noch kein Ende. Leichter Nieselregen begleitete uns auf dem Weg durch das Emmental und weiter nach Kandersteg. Kurz bevor wir den Autoverlad für die Durchfahrt den Lötschberg nutzten, machten wir unseren traditionellen Morgenhalt. Kaffee, heisse Schoggi, dazu ein Sandwich oder einen Nussstengel. Das 18-fache Guten-Morgen beim Eintreten wurde freundlich erwidert und der Gesichtsausdruck der Restaurant-Crew (wie mänge chunt äch no ine?) wurde länger und länger. Hurrah, hurrah, die Madiswiler sind da!

Markus Heller mit dem Bus und Marc Sommer mit dem PW brachten uns ins Wallis. Wir fuhren bis nach Mund, einem der vielen kleinen Ortschaften, die an den steilen Walliser Berghängen wie „angeklebt“ erscheinen. Nebel. Sichtweite 150m. Es war kurz vor 11 Uhr als wir den 5-stündigen Marsch auf die Belalp in Angriff nahmen. Der Weg führte uns aus dem Dörfchen Mund den Entwässerungskanälen entlang Richtung Nesselalp. Wir folgten den kilometerlangen Wasserkanälen und staunten nicht schlecht, als wir durch nachtschwarze Tunnelbauten marschierten. Es war eng. Es hatte gerade Platz für den Wasserkanal und für einen etwa 50cm breiten Wanderweg. Vorsicht, sonst gibt es nasse Füsse!

Unterwegs trafen wir auf einen pensionierten Jäger, der dieses Gebiet wie seine Westentasche kennt. Mit besserem Wetter würden wir heute nicht mehr rechnen können. Ihm sei das egal. Er finde die Pilze auch bei Nieselregen. Auf unsere Frage, wie lange wir bis Belalp benötigen, meinte er: „Also sicher no ei Stund. Und de no e Stund. Oder wed geisch wie ne Hund,d e mach sches irä halbe Stund“. Ok. Dann nichts wie weiter und eifrig Bergmeilen sammeln.

Endlich sahen wir einige Häuser. Den Bauern fragten wir nach einem Restaurant. Er zeigte auf die Kappelle und meinte, dass es hier kein Restaurant gebe. Aber er empfehle uns einen kurzen Zwischenhalt in der Kapelle. Da könne man sich etwas erholen. Mit 2 Flaschen Schnaps machten wir uns auf den Weg und nahmen die Kapelle in Beschlag. Was für ein Moment! 18 Turner in einer kleinen Bergkapelle!

Die letzten 200 Höhenmeter bis zum Tagesziel, der Belalp, lagen noch vor uns. Der Aufenthalt in der Kapelle hatte gut getan. Beim Aufstieg musste der Eine oder Andere von uns noch etwas „beissen“. Schuhe und Hosen wurden durch das wassergetränkte hohe Grass richtig nass. In Eierkolonne nahmen wir Schritt für Schritt auf dem mittlerweile matschigen Bergweg. Rund um uns hatte der Nebel zugenommen. Es nieselte leicht. Egal. Wir wollten einfach so schnell wie möglich in die Berghütte.

Endlich, die Belalp war erreicht. Wir bezogen unsere Unterkunft und bereiteten uns auf einen gemütlichen Abend vor. Das Bierchen vor dem Essen war eine Wohltat. Danach gab es Nachtessen mit Nachschlag. Alles gut und währschaft. Es wurde gejasst und die Stimmung war gelöst. Unsere Gastgeber waren flink und den durstigen Wandergästen aus dem Oberaargau mangelte es an Nichts!

2. Tag: Der Aletschgletscher und die Hängebrücke 80m über der Massaschlucht

Nur die Hälfte an Höhenmeter standen auf dem Programm. Nach einem kleinen Aufstieg folgte der rasante Abstieg, der mit einem tollen Blick auf den Aletsch-Gletscher belohnt wurde. Immer wieder wurde die Sicht durch Nebelschwaden behindert. Aber immerhin blieb es trocken.

Eine Hängebrücke führte über die Massaschlucht. 80m über dem reissenden Bergbach überquerten wir die Schlucht. Auf der anderen Seite begann der Aletschwald. Verschiedene Routen führten zu unserem Tagesziel, der Riederfurka. Die direkteste Route, 500 Höhenmeter „grad ufe“ oder den leichteren aber dafür etwas weitläufigeren Aufstieg durch den Aletschwald? Wir entschieden uns für Letzteres.

Die Sonne drang durch die Wolken und der Nebel zog sich zurück. Der Aufstieg durch den Aletschwald führte zu einigen Waldlichtungen, die einen hervorragenden Ausblick auf den Aletschgletscher boten. Nach den Erinnerungsphotos ging es weiter hinauf zur Riederfurka. Das Wetter wurde immer besser.

Das Berghotel Riederfurka, welches zum Lokal-Imperium von Art Furrer gehört, steht oben auf der Riederfurka. Auf der Terrasse gönnten wir uns einen Tropfen und stiessen auf den zweiten Reisetag an.

Die Gastgeber (aus dem Südtirol) hatten trotz gut besetztem Restaurant auch noch Zeit für einen kurzen Schwatz mit uns. Das Nachtessen liess keine Wünsche offen. Gut gestärkt verbrachten wir den Abend mit verschiedene Kartenspiel, begleitet mit Kommentaren zum Spiel, zum zweiten Reisetag und zu den Jasskünsten des Gegenüber.

3.Tag: Wanderung hoch über der Massaschlucht

Am Dritten und letzten Reisetag sahen wir bis ins Tal. Trocken, kein Nebel. Damit stand der Höhenwanderung durch das Massatal nichts im Weg. Vom Frühstück gestärkt nahmen wir die Wanderung in Angriff. Es ging zuerst zurück ins Massatal. Dabei ging es 400 Höhenmeter runter bis fast in die Massaschlucht. Danach stieg der Weg leicht an und führte später hoch über der Massaschlucht nach Ried-Mörel. Der Blick hinunter ins Tal war ziemlich spektakulär. Für nicht ganz schwindelfreie Wanderer wurden an einigen Stellen Eisenketten befestigt, an denen man sich halten kann. Bei nasser Witterung oder Regen wäre dieser Weg nicht ganz ungefährlich.

Nach der Massaschlucht folgte der Weg am Südhang nach Ried-Mörel. Beim Mittagsrast nahmen wir uns Zeit für einen Blick auf Brig und die gegenüberliegende Pass-Strasse, die zum Simplon führt. Nach einer Stunde erreichten wir das Dorf Ried-Mörel. Marc und Markus gingen nach einem kurzen Aufenthalt weiter und nahmen die Bergbahn ins Tal. Sie wollten die Fahrzeuge im Mund holen, während wir uns noch eine Stunde im Restaurant Bergblick gönnten.

In Brig trafen wir wieder auf Marc und Markus, die uns wieder sicher ins Bernbiet brachten. Kurz vor Goppenstein begann es wieder zu regnen. Vielleicht ist es auf der anderen Seite besser? Tatsächlich nahm der Regen ab und wir beendeten in Madiswil eine gelungene erlebnisreiche Turnerreise! Auf ein Neues im 2015!

Im Namen des ganzen Reise-Teams: vielen Dank an Marc für die Initiative (18 Turner für eine 3-tägige Reise gewinnen!) und die Reise-Organisation sowie Markus für den Transport ins Wallis und zurück!

Das Reise-Team 2014:

Marc Sommer, Reiseleitung.

Markus Heller, Chauffeur Team-Bus

Heinz Flückiger, Jürg Leuenberger, David und Joel Geiser, Patrick Jäggi, Sven Leuenberger, Stefan Schürch, Urs Zulliger, Walter Marending, Mario Cuordileone, Michael Wälchli, Peter Fiechter, Christoph Ammann, Ralph Schadt, Urs Rutschmann, Klaus Lüthi

Bericht und Photos: Klaus Lüthi