Mit 120 PS auf die Isenfluh und Übernachten auf der Suppenalp

Die Turnerreise hat Tradition. Jedes Jahr gehen etwa 20 Turner gemeinsam auf eine 2-tägige Wander-Tour in den Alpen. Tradition hat auch das Wetter. Wir erleben auf den Turnerreisen meistens alle möglichen Varianten. Nebel und Nieselregen, Sonne und blauer Himmel. Meistens jedoch von allem etwas dabei. So auch in diesem Jahr. Der guten Stimmung konnte das jedoch noch nie etwas antun.

Unsere diesjährige Turnerreise führte uns ins Lauterbrunnental. Um 8 Uhr trafen sich die Turner beim Dorfzentrum. Markus Heller traf ein. Er chauffierte einen Touristenbus für 20 Personen. Perfekt für uns. Alle Turnerkameraden in einem Fahrzeug.

 



Mit 6 PS pro Person auf die Isenfluh
Kurz vor Lauterbrunnen der Wegweiser nach Isenfluh. Unser Chauffeur Markus Heller bog rechts ab. Dann wuchtete er den Bus den Hang hoch, schaltete gnadenlos in den 3. Gang hoch und …. es blieb beim Versuch in den 3. Gang und das mit dem Hinaufwuchten endete nach 300m im schnaufenden Kriechgang. „Kusi wie viele PS hat diese Karre eigentlich?“ schalte es von den hinteren Rängen zum Fahrer. „Genau 120 PS“ kam die Antwort zurück. Was? Dieses grosse Touristenschiff für 20 Personen war mit einem 120 PS-Motor ausgestattet?! Das reichte aber aus, um die Turnerschar durch den 360 Grad Kehrtunnel und über 800 Höhenmeter nach Isenfluh zu bringen.

 



2 Skifahrer unterwegs ins Tal
Wenige Minuten nach unserer Ankunft nahmen wir den Wanderweg in Angriff. Mittlerweile hatten wir unser traditionelles Reisewetter. Nieselregen und Nebel. Beim ersten Wegweiser am Dorfrand von Isenfluh entschied unser Reiseleiter Marc Sommer, dass wir die „untere“ Variante des Alpenweges nehmen würden. Das bedeutete für uns weniger Höhenmeter bis zu unserem Ziel, dem Berghaus Suppenalp. Aber 800 Höhenmeter wurden es trotzdem. Wir erreichten die Höhlücke mit dem Wegweiser und der Angabe 1‘899 Meter über Meer. Wir hatten den höchsten Punkt unserer Turnerreise erreicht. Einen Höhepunkt anderer Art erlebten wir nur einige Minuten später. Aus dem Nebel tauchten zwei Gestalten auf und sie trugen Skis auf ihren Schultern. Das waren entweder grosse Optimisten (kein Schnee sichtbar auf dieser Höhe) oder zwei Kenner (die den Blick für den Schnee in den höheren Lagen hatten). Sie liessen sich von unseren erstaunten Blicken und dem Lächeln auf den Stockzähnen nicht beeindrucken. Also nennen wir sie Kenner, die wissen, wo Sommer-Skifahrer am 2. Juli oberhalb von Mürren noch Schnee finden. Die beiden verschwanden im Nebel.

 



Gastfreundschaft im Bergrestaurant Suppenalp
Wir waren immerhin 4 Stunden zu Fuss unterwegs. Vor uns ein Bergrestaurant beim Allmendhubel. In 2 Minuten dorthin oder noch 15 Minuten bis zu unserem Ziel, dem Berghaus Suppenalp. Unsere trockenen Kehlen liessen keine 15 Minuten zu. Wir betraten das Bergrestaurant auf dem Allmendhubel. Eine graue kalte Atmosphäre herrschte im Raum und die Bedienung sprengte den Rahmen der Mittelmässigkeit auch in keiner Art und Weise. Nach gefühlten 10 Minuten hatten wir unseren ersten Drang nach isotonischem Hopfenbräu gestillt.
Wie toll ist es, wenn die Türe aufgeht, die ersten Blicke eine gemütliche Gaststube wahrnehmen und einem das grosse Lächeln der Wirtin gleich in Beschlag nimmt. „Hallo, willkommen auf der Suppenalp. Ich bin die Jessi. Setzt euch erst mal hin. Ihr habt sicher Lust auf ein kühles Getränk. Die Zimmer kann ich euch anschliessend zeigen“.

 


Der 18. Penalty brachte die Entscheidung.
Toll, dass 20 Turner auf die Turnerreise mitkamen, obschon die Fussball-Europameisterschaft in die entscheidende Phase kam. Italien spielte gegen Deutschland. Wir konnten mit etwas Verzögerung das Spiel auf einem Laptop mitverfolgen. Beide Teams zeigten im Elfmeter Nerven. Mit dem 18. Penalty entschieden die Deutschen das Spiel und zogen damit in den Halbfinal ein.

 



Endlich! Sonne und atemberaubendes Berg-Panorama!
Am zweiten Tag starteten wir mit dem Frühstück und bereiteten uns anschliessend auf den Abmarsch vor. Die Abrechnung im Restaurant war schnell gemacht. Danach hiess es zusammenstehen für das Gruppenfoto vor dem Bergrestaurant.
Nach einem kurzen Halt in Mürren machten wir uns auf den Weg zurück zur Grütschalp und weiter nach Isenfluh. Der Panoramaweg entlang der Bahnstrecke machte seinem Namen alle Ehre. Wir hatten nun gute Sicht auf das Berg-Panorama und konnten auf der Gegenseite des Lauterbrunnentals Wengen und die Alpin-Strecke des Lauberhornrennens begutachten. Start, Hundschopf, Langentreien, Haneggschuss und Ziel-S. Hinter Wengen steht der Männlichen hoch über dem berühmten Ski-Dorf. Sehr beeindruckend der Bergrücken, der wie eine Wand wirkt. Und wir durften nicht ohne Stolz festhalten, dass wir vor einigen Jahren diese Wand anlässlich einer Turnerreise erfolgreich erklommen (siehe 2010 „der Männlichen, ohne Seil und Karabiner“).

 



Mittagessen auf der Sonnenterrasse
Zeitlich waren wir sehr gut im Plan. Marc hatte die Reise wie immer gut organisiert. Wir entschieden uns, beim Restaurant auf der Grütschalp etwas zu essen und anschliessend direkt nach Madiswil zu fahren.
Auf der Isenfluh angekommen, bestiegen wir unseren Bus und nahmen die Abfahrt ins Lauterbrunnental in Angriff. Nochmals den 360 Grad Kehrtunnel (dieser wurde aufgrund eines Hangrutsches in den 80er Jahren gebaut) und danach dem Thunersee entlang durchs Emmental zurück nach Madiswil.
Schade für die 5 Turner, die sich kurzfristig abmeldeten, toll für die Jungturner, die zum ersten Mal dabei waren und gewohnt gut für die Reiseschar, die sich jedes Jahr im Juli auf ein neues Erlebnis in den Alpen freut.
Mittlerweile haben wir im Lauterbrunnental und in der Gegend von Grindelwald schon einige schöne Turnerreisen gemacht. Jetzt fehlt eigentlich (fast) nur noch der Klassiker Schnyige Platte – Faulhorn - First. Wer weiss? Nur wer dabei sein wird, wird es auch erfahren.

 


Turnerreise 2016 mit:
Marc Sommer (Organisation), Markus Heller (Chauffeur), Christoph Ammann, Heinz Flückiger, Jürg Leuenberger, Christian Lüthi, Klaus Lüthi, Walter Marending, Ralph Schadt, Urs Rutschmann, Urs Weber, Urs Zulliger, Bernhard König, Joel Geiser, Philipp Leuenberger, Sven Leuenberger, Stefan Bieri und Patric Jäggi

Text/Bilder: Klaus Lüthi, Zulliger Urs, Bernhard König