…nachdäm mir ä Rundwanderig im Kiental uf Griesalp hei gmacht, da hanis troffe mis chüele Blonde. Traditionen soll man leben, leben lassen und geniessen. Auf der Suche nach einer schönen Wanderung fand Marc Sommer diese im noch schöneren Berner Oberland – genauer gesagt, im idyllischen Kiental am Fusse der Blüemlisalp.  Auch Polo Hofer (1945-2017) hat diese schöne Gegend um die Blüemlisalp im grössten Schweizer Hit «Alperose» besungen.

 

So brach der harte Kern aus zehn Turnern auf

…und folgte Marc durch das Emmental in Richtung Berner Alpen. Traditionen soll man leben und geniessen: Mit einem kurzen Kaffee-Gipfeli Zwischenhalt im Löwen von Grosshöchstetten und anschliessender Ehrenrunde auf dem Dorfplatz, ging es dann weiter ins Kiental. Lag es an den zahlreich gegessenen Gipfeli und dem reichlich getrunkenen Kaffee, dass das Auto von «Wäutu» etwas Tiefgang hatte? Oder doch eher an den drei grossgewachsenen Turnern; Hudi, Rutschme und Mario? In Kiental angekommen schlüpften die drei wie Falter aus ihrem Kokon, aber eben halt aus dem Mazda.

Letzte Tips von einem Eingeborenen und Ortskundigen.

 

Die Schuhe sind geschnürt, der Rucksack geschultert – es kann losgehen.

Marc ist bekannt für seine variantenreichen Routen zum jeweiligen Tagesziel. So können wir heute zwischen den Varianten «Sanfter Einstieg mit der Bahn» oder «Schwitzen macht durstig» wählen. Da überlegten Heinz und Jürg, zwei erfahrene Wanderer und „Marc-Kenner“ nicht lange, und wählten ohne zu zögern die Bahn-Variante. Heinz meinte mit einem breiten Grinsen nur: «I kenne äm Marc siner Ture und sini Zytagabe - do muesme chli Zyt derzue rächne u nid grad dri schiesse». Nach dem Motto «Schwitzen macht durstig» folgten die restlichen Turner Marc in Richtung Ramslauenen, unserem ersten Tageszwischenziel auf 1404 m.ü.M. Der Aufstieg zeigte sich schon zu Beginn an schweisstreibend und mit der Sesselbahn immer im Blickwinkel verlangte der steile Hang von jedem einzelnen alles ab. Aber wir sind Turner und jeder Turner weiss, dass der Körper nach bzw. während einer sportlichen Tätigkeit isotonische Flüssigkeit braucht. Und wo eine Talstation ist, ist auch eine Bergstation und wo Bergstation ist, ist auch ein Restaurant mit genau ebendiesen isotonischen Getränken. Diese Tatsache sowie das schöne Wetter und die tolle Aussicht(en) motivierten uns alle. Nach gut eineinhalb Stunden erreichten wir Ramslauenen und erfreuten uns an den Aussichten 😉.

Heinz und Jürg, gemütlich auf der Sesselbahn "Kiental - Ramslauenen"

 

Wir sind wieder komplett und isotonisch ausgewogen

Die Stärkung tat uns allen gut und wenn Marc nicht noch mehr mit uns vorgehabt hätte, dann wären wir auch noch länger geblieben oder sogar übernachtet. Aber als Turner leben wir das Motto: frisch – fromm – fröhlich – frei, Marc wir kommen! Die Tour von jetzt an etwas gemütlicher und nicht mehr so steil führt uns als Höhenwanderung um die «Bachflue» herum über das «Brüggerbärgli» und den «Mittelberg» direkt zur «Griesalp». Eine schöne Wanderung mit Blick ins Kiental, welches uns ein schönes Panorama mit den gegenüberliegenden Gipfeln und dem beeindruckenden Blüemlisalpmassiv bot. Dabei querten wir «Sagi-, Gwindli- und Dündebach», wobei letzterer dem einen oder anderen auch als die «Dündenbachfälle» bekannt ist.

V.l.: Heinz Flückiger, Urs Rutschmann, Urs Weber, Jürg Leuenberger, Marc Sommer, Markus Heller, Walter Marending, Mario Cuordileone, Ralf Schadt und hinter der Kamera: Bernhard König

 

Die magischen Zahlen «4 - 4 - 10»

Das sind die Eckzahlen der Wanderung von der Ramslauenen auf die Griesalp. In vier Stunden von 1404 auf 1408 m.ü.M. nach ca. 10 Km Fussmarsch: Niederländische Verhältnisse im Berner Oberland! Durst gibt es trotzdem. «10 Bier! Aber chauti gärn». Das überforderte den Kellner und brachte seinen Kühler ins Schwitzen: «Muss ich holen im Restaurant» und stampfte davon. Wir nutzen die Gelegenheit und bauten in der Zwischenzeit seine Gartenwirtschaft für zehn Mann um: geht doch. Unser Mann kehrte zurück, stellte die Harasse mit zehn kalten Bieren direkt auf den Tisch. Beim gemütlichen Zusammensein, sind wir schon wieder voll im Element und aus vier zurückgelegten Höhenmetern wurden schnell 400. Prost!

Die für uns umgebaute Gartenwirtschaft auf der "Griesalp"

 

«S`Golderli isch eifach goudig» – oder die Letzten beissen die Hunde - ouuuu!

Unser Motor war trotz kaltem Bier noch auf Betriebstemperatur, also machten wir uns ein letztes Mal auf den Weg zu unserem Tagesziel, dem Berggasthaus Gouderli. Schaffen wir es, das immerhin  30 m höher und 600 m entfernt gelegene Gouderli zu erklimmen? Einen solchen Anstieg hatten wir doch heute schon mal, für uns also kein Problem. Marc hat eingecheckt, die wichtigsten Infos und die Bettordnung verkündet und schon sitzen zehn Mann wieder an einem Tisch. Kaum ist der gemütliche Abend eingeläutet,  verwöhnt uns das perfekt abgestimmte Wirte-Team mit ihrem Menuschmaus. Uns fehlte es an nichts und so verflogen die Stunden viel zu schnell. Der Versuch zu später Stunde auf leisen Sohlen über die urchige Treppe in unsere Gemächer zu gelangen, schien missglückt. Beim ersten Bretterknattern ging es schnell los: Oouuuuu! Hemmungslos jaulte es aus der Nachbarstube. Unsere zwei bekannten Vierbeiner mit der kalten Schnauze fühlten sich frei. Selbstverständlich erwiderten wir den fröhlichen Gesang prompt und konterten ebenso mit einem: Oooouuuuuuuuu!

Aufstieg zum "Bergrestaurant Golderli"

 

Morgenstund hat Golderli im Mund

Nach einem reichhaltigen Morgenessen und viel Kaffee stand Tag zwei vor der Tür. Wie schon am Vortag konnten wir aus zwei möglichen Routen wählen und entschieden uns geschlossen für die etwas direktere Route nach Kiental. Der Weg führte zuerst am Hang «Gornere» entlang, bevor ein steiler Weg uns direkt zum «Gornerengrund» führte. Wir sind gut in der Zeit und die Laune bestens, und haben uns einen Kaffee verdient. So machten wir es uns in der Gartenwirtschaft bequem. «Gornerewasser» hiess der Bach, an welchem der Fusspfad uns als Abschlussetappe nach Kiental führte. Dieser Weg ist auch eine Teilstrecke des bekannten Blüemlisalp-Laufs, wie uns Urs R. berichtete und dabei ins Schwärmen geriet. Glücklicherweise hatten wir uns für diese Route entschieden, denn es setzte ein immer heftiger werdender  Talwind ein und es schien sich etwas zusammen zu brauen. Dies schien uns aber nicht tiefer zu beeindrucken, denn wir sassen wieder mal gemeinsam an einem Tisch und liessen uns verköstigen. Als es aber draussen auch zu regnen begann, begriffen wir alle, welches Wetterglück wir hatten!

Letzte Etape: dem "Gornere" entlang Richtung Kiental.

 

«I gloub jetz muesch a lüte»

Das war der Satz, welchen ich von Jürg noch hörte, als draussen ein riesiges Gewitter mit Hagel über uns losbrach. Wir waren schon längst mit dem Auto unterwegs und wollten zurück in unsere Heimat fahren, als zwischen Reichenbach und Spiez ein riesen Unwetter die Überlegenheit der Natur demonstrierte. Mit „anrufen“ meinte Jürg natürlich die Versicherung, welche den möglichen Hagelschaden schon übernehmen sollte. Die Rückfahrt wurde fortgesetzt und für Gesprächsstoff war gesorgt. Zuhause angekommen schien die Welt wieder in Ordnung zu sein, jedenfalls schien die Sonne wieder und von Hagelschaden war weit und breit nichts zu sehen – zum Glück!

Das Fazit also: Viel Sonnenschein, schöne Wanderungen im Berner Oberland, isotonische Getränke und Geselligkeit im Kreise toller Turnkameraden. Es war eine schöne Reise und wir hoffen auf eine weitere Durchführung im Wanderland Schweiz. Ein grosses Dankeschön geht an Marc als kompetenten Reiseleiter und Chauffeur, sowie an Walter, der uns ebenfalls sicher ans Ziel chauffierte.